Selbstachtung

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Verzeihen

Forgive Yourself

Wenn wir Unverzeihliches verzeihen, verraten wir uns selbst.

Wenn wir „nicht wieder gut zu machendes“ vergeben, lassen wir uns selbst im Stich.

Genau mit diesen Worten möchte ich meinen Blog eröffnen, auch, oder weil mir bewusst ist, dass der Text womöglich provoziert und die gängigen Meinungen aus diversen Selbsthilfebüchern, Therapien oder spirituellen Kreisen widerspricht, und, weil ich mich selbst „wund“ verziehen habe, um schließlich zu erkennen, dass sich dadurch meine Heilung nur verzögerte und sich der innere Frieden durch Vergebung, nur als Kulisse entpuppte. Eine Kulisse, auf der sich Dramen der ganz besonderen Art abspielen. Dramen gegen das SELBST. Erst, als ich mir erlaubte, NICHT zu verzeihen und mich statt dessen meinem verletzten SELBT zuwandte, begann es ruhig zu werden. Inner-, wie auch außerhalb von mir. Eine Ruhe, die selbst den stärksten Gegenwind gelassen entgegen sieht und mit der ich auf Wellen, so hoch wie Bäume, reiten kann, ohne mich zu verletzen. Es stürmt und schneit noch immer, aber wie durch Zauberhand bleibe ich vom Zentrum des Sturmes verschont. Zauberhand? Ja, das ist das Synonym für 100%ige Selsbtachtung. Für Mitgefühl und Achtung der eigenen Gefühle und Bedürfnisse. Für die Annahme der Schmerzen, die das SELSBT erfahren hat und für das Loslassen der Illusion, ich müsse irgendjemand anderen verzeihen, als mir SELBST.

Aufgrund meiner eigenen Biographie, setze ich mich nun schon seit Jahrzehnten mit dem Thema „innerer Friede durch Vergebung“ auseinander, habe mir immer wieder professionelle Hilfe geholt und mich im guten Glauben, mit meinen Themen und Erfahrungen, auf die Vergebung gestürzt. Personen, die mich traumatisiert haben, wurden nach Louise L. Hay Manier, mit all meiner zur Verfügung stehenden Liebe sowie Mitgefühl begegnet und Plätze in meinem Herzen reserviert. Habe mich nach Hellinger Art, gedanklich wie auch verbal vor meinen Eltern verneigt und bedankt. Bin meinem Trieb, alles begreifen zu wollen, gefolgt und habe demnach jedes erlittene Leid, aus der Sicht des Täters reflektiert und schlussendlich verstehend akzeptiert! Auch das Erlittene, mataphorisch zu umarmen, habe ich nicht ausgelassen und mich krönend der Illusion hingegeben, in allem einen Sinn zu sehen um womöglich, schicksalhafte Züge zu erkennen. Jahrelang!

Irgendwie tat mir das aber nicht gut. Offensichtlich habe ich da was nicht verstanden. Rache-, Hass- und Wutgefühle waren zwar weg, aber viele anderen Gefühle auch. Freude, Glückseligkeit und dieser ominöse innere Frieden, von dem alle sprechen, war auch nicht zu spüren. Stattdessen Unruhe, zuweilen Boshaftigkeit, Hunger, Sinnlosigkeit, Trauer, Trauer, Trauer,… Meist folgte nach einer Verzeih-Niederlage der innige Wunsch, dem zu Verzeihenden zu zeigen und somit zu beweisen, dass ich alles verstehe und mein Herz gaaaaanz weit offen ist, für den riesen Jammer, den der Täter haben muss, um überhaupt zu solchen Taten fähig zu sein. Ja, das konnte ich gut! Ich behaupte hier und jetzt, dass es genau DAS ist, warum Menschen so heiß auf´s Verzeihen sind. Es ist ein Überlegenheitsgefühl, das einem überschwemmt, wenn man Dinge vergibt, die nie wieder gut zu machen sind! Das ist ein Kick! Wie ein Glas Wein, gibt es einem für kurze Zeit ein gutes Gefühl. Aber was passiert in diesem Moment mit unserem SELBST?

 

Text folgt: